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25 -July -2017 - 08:45

Hier könnt Ihr immer lesen, was Ihr versäumt habt.

Der Blick vom Drumhocker

Soundcheck One, Waldbronn, 25.10.

Ein besonderer Gig für unsere kleine Kapelle: Zum ersten Mal absoluter Schwerpunkt auf die eigenen Songs, also quasi eine Vorpremiere des Albums. Die Rahmenbedingungen dafür erweisen sich als optimal: Die Überzeugungstäter von „Sons Of Sounds“, die den Laden hier vor eineinhalb Jahren (oder ist das schon länger her?) aus dem Boden gestampft haben, haben dies Nest wie …. eine Höhle? Geisterbahn? Gebärmutter? … ausgebaut und versorgen die Elefanten mit einem Backstagebereich, wie man ihn eigentlich nur aus Dokumentationen über die Anfänge großer Helden kennt.

Fetter Sound, guter Einstieg „Zum Trinken brauch ich kein Besteck“ macht Laune auf Stadionlärm, Cowboystiefel, Rauchschwaden und äähm... Getränk. Nur dumm, dass die Autos des Nachts noch bewegt werden müssen. Richtig amtlich läuft bei dieser Premiere der Song, der zwar den CD Titel trägt, aber gar nicht auf der CD ist: „Schundromane und Schabracken“ (die zweite CD erscheint bekanntlich 2048 und heißt „Die Überheblichkeit des Bademeisters“). Granatenmäßiges Dorsch-Solo mit Pink-Floyd Erinnerungswerten, Rhythmussection im Pomp-Metal-Modus und unser Freundfan Peter, der sich den weiten Weg ins Albtal zugemutet hat, spricht gar von Progrock. Na Sowas? Auch das anstrengende „Since you play that game“ hat fast die nötige Schubkraft... naja, was den Trommler betrifft: Da muss ich nochmal drüber. Und zwischen drin – es ist ja eine Art Bluesnacht annonciert – holen wir für eines der wenigen Cover „Hoochie Coochie Man“ natürlich den Knab mit seiner Harp auf die Bühne. „ich hab' aber nur die A-Harp“ hat er noch furchtsam gesagt, aber kein Problem für Roberta Dorsch und Aschenbecher Schmitz sowie zopflos Bärbelklaus: Andere Tonart? Machen wird doch! But hello. Die immerhin zwei Dutzend Erstbesucher (bei der berühmten Jutta Weinhold waren's eine Woche vorher fünf weniger) sind doch angetan und bewegen sich. Kapelle Popstar kämpft um jeden Mann, aber die Mädels sind sowieso agiler beim „sich in Stücke reissen“! Mit „Schlaf ich nachts auf dem Klavier“ geht der 90 Minuten Gig (so kurz haben wir praktisch noch nie gespielt) zu Ende, Und ja, das wäre auch eine gute Eröffnungsnummer. Was wir uns in einem ursprünglich als Metal Club gegründeten Laden irgendwie verkniffen haben, war unsere Mega-Ballade „Ich hab' den Mond gefangen“. Das wäre dann vielleicht doch zuviel Mädchen-Rock gewesen. Die muss halt erstmal den Eurovision Song Contest gewinnen.... 

Dank geht neben den Herren vom Soundcheck One (Metal Musiker sind eigentlich in Wirklichkeit Teddybären) an Mischersmann Muli. Einen Veteranen des legendären Karlsruher Crazy Kong. Der will uns wieder mischen, sagt er.

 

 

Das Fest, 20.7., Cafébühne 21.15 bis 23 Uhr

„Seit wann ist das denn so ekelhaft?“, fragte ein verwirrter Experte von der schreibenden Zunft am Tage nach jenem Dienstag, 20. Juli. „Seit hier auf der Cafébühne am See so ekelhafte Bands wie wir auftreten dürfen“, hätte man ihm da entgegenschleudern mögen. 5500 Leute sollen auf dem Gelände gewesen sein, behaupten die notorisch zahlensüchtigen Veranstalter. Egal, wieviele es wirklich waren, 2.000 davon haben wir jedenfalls erreicht. Nun waren die natürlich nicht alle wegen uns gekommen, da soll man sich übehaupt keine Illusionen machen, sondern natürlich alle wegen dem kleinen Stand mit den ayurvedisch zubereiteten Speisen oder wegen den frisch geputzten Dixi-Klos. Aber man könnte schon sagen: geblieben sind sie wegen uns. Nachdem zunächst der großartige Robert Schatten und seine extraknackigen Erdnüsse alias Bobby Shadow alias Jumpes alias Klaus Peter Weber alias Bob Dylan (der Jüngere) Bob Dylan den Älteren locker deklassierte, war es nun die Elefanten-Aufgabe, ein wenig gelebte Primitivität übers wohlbesonnte Gelände zu schleudern. Schon im Vorfeld hatte Popstar-Trommler „Das Tier“ dem verständigen Mixer Klemens („Die Ruhe selbst“) verschwörerisch zugeraunt, er solle nun doch bitte an Dezibeln nicht sparen, auf dass auch noch die ayurvedischen Speisen in ihren jutetellern in Rage geraten könnten.

Und so geschah es: Das ungeschriebene Gesetz aber lautete: nach drei Songs bewegen sie sich, die Zuhörer, nach sechs Songs beginnen sie, sich in Stücke zu reißen, und so war es denn. Sogar der berühmte „Dreher“ Leppert drehte sich beseelten Fußes, aufmerksam gespitzten Haupthaares und himmelfahrenden Lächelns, später traten leichten Beines gar die Generationen der Nachgeborenen hinzu, um sich zum Gerumpel ungut schwitzender alter Männer zur Ader zu lassen. Herr Popstar derweil, der Alptraum aller Schwiegrmüttter, hielt seinen Kopf bedeckt mit einer formschönen Mütze, um vorzeitiges Austreten von Hirn zu verrhindern, denn das wurde für diese hochkonzentrierte, aussagekräftige und in jeder Hinsicht relevante Show noch benötigt. Oh welche ein herrliches Bild, ein Highlicht (= Hochlicht) gar, als Herr Popstar von der Bühne herab nun einen weiteren Programmhöhepunkt ankündigte, den des Tutens und Blasens allmächtigen Günther Tribbensee (Schwabe und Bluesharpgott in einem), „Tribbensee wie Ribbentopp“, wie ein anderer Schwabe zu sagen pflegt, unser mittlerweile 85jähriger Keyboarder Schmidt (dessen 73jährige Mutter im übrigen zwei Tage zuvor den Warm-Up Gig im Karlsruher uSchlosspark mit stillvergnügtem Wohlgefallen beobachtete, aber das ist eine andere Geschichte und die soll jetzt nicht erzählt werden.....) äh, wo waren wir? Nun da, vor der Bühne, dawohl das Volk schon obszön golden glänzte und vibrierte und erwartungsvoll in das Loch starrte, in dem der Tribbensee nun auflaufen sollte, war der aber noch auf der Autobahn, frohen Mutes seine 437 Harmonikas stimmend, in ständigem Handykontakt mit Schmidt , der mit der linken Hand sprach während er rechts orgelte. Dann erschien er doch auf der Bühne, Popstar ließ ihn gewähren, und er blies fürderhin tagelange Soli, allein mit dem in „Let's Work together“ hätte man den Strom für die Hauptbühne erzeugen können. Mit diesem äusserst billigen Trick waren nun zunächst die 60jährigen Männer in Holzfällerhemden im Publikum restlos zergeistert. Die Beifallsbezeugungen wuchsen ins gastronomische, und manch ein enthusiastischer Karlsruher im Publikum mag sogar gedacht haben: „Hört Hört“, oder „na hoppla, jetzt aber“, oder vielleicht sogar: „Do kann mer awa jetzt niggs sage“, da holte Herr Popstar, der schona arg gepeinigt ob des Schwitzens und Freilichtrauchens war, den nächsten Trumpf aus dem Ärmel: einen fänomenalen, gerade eben erst entstandenen und kaum geprobten Hit mit dem famosen Titel „Ohne Haare keinen Zopf“. Was wiederum dem Publikum beweisen sollte, dass diese Band auch im Stande ist, sich ernsthafter politischer Themen anzunehmen, die den Menschen auf den Nägeln brennen. Zumal noch im bekanntermaßen nach Revolution stinkenden Reggae Rhythmus vorgetragen. Was uns sicher neue Freundinnen unter den Realschullehrerinnen hinzugewonnen hat, die sich sonst nur zu den Klängen veganer Voodoo Trommler aus notorisch unterdrückten Stämmen bewegen wollen. Welch ein Fest. Und war nicht auch die Textzeile „ohne Flic kein Flac“ ein Hinweis auf circensische Traditionen, auf Kunstgenre-übergreifende Relevanz dieser unserer kleinen Truppe, weit hinaus weisend über das Firmament des Rock'nRoll, das ja nur die heilige Dreieinigkeit von Dosenbier, Fleischsalat und Aschenbecher zu kennen scheint.

Auch der gemeine Sportfreund wurde bedacht mit einer ausufernden Hochsprung-Performanz des frisurbehinderten Bassisten Klausbärbelschäfer. Sodass sich der zum Mitmachen genötigte Herr Popstar hinterher im kleinen Kreis erkundigte, wer denn eigentlich dieser unverschämt junge Mann links neben ihm sei, wer ihn in die Band eingeschleust habe und ob es stimme, dass er gesetzwidrig Halbmarathon laufe?. Ersterbend schon brüllte Herr Popstar etwas von „Deep in the Night of Tequila Boom Boom“, das aber ist italienisch und heißt auf deutsch: Bumm. Während dessen der Herr der rätselhaften Verstärkereinstellungen, Roberto Dorschs („Großmeister des versteckten Zeichens“), sich ganz auf das Zurschaustellen einer nachgerade obszönen Stadiongitarreneinstellung konzentrierte. Einmal, es ist schon auf einem Fideo dokumentiert, trat er sogar fast lächelnd einen Schritt nach links hin zur Bühnenmitte. Wo jetzt schon schmurgelte und knurgelte, die zweite Gästin des Abends, die Frau, die Mikrofone aus zehn Metern Entfernung zu Klump singt: Sandy Campos. Joe Cocker und Tina Turner in einem. Leppert drehte schneller, vor der Bühne entleibten sich Generationen unisono und so strebte denn alles einem finalen zweizugabigen Ende entgegen, das folgerichtig mit „Because the Night“ endete. Welche ja bekanntlich to lovers belongt. Und so war es denn. Ein Meer der Harmonie, eine Pfütze des Friedens, eine Bier des Trostes und der Versöhnung, auch und vor allem mit der besonderen Ekelhaftigkeit des gerade geendet habenden Abends. Am nächsten Morgen nach zahlreichen Geschichten von den Schlachtfeldern des RocknRoll und Bierweinschnaps gingen sie alle wieder arbeiten und fanden Rechnungen Mahnungen und Strafzettel in ihren Briefkästen vor, und irgendjemand fragte immer mit unangenehm schnarrender Stimme: Wer trägt jetzt den Müll runter?

Mai 2010, der achte...

Wo man trinkt, da lass dich nieder. Böse Menschen haben keinen Paddy. Da sind wir wieder in Kuni's Nanu, und bespielen eine (zu) kleine, dafür erlesene Fangemeinde mit einem bunten Strauß zupackender Melodien. Unsere Neue PA erweist sich als Hort soundmäßiger Glückseligkeit. Ei, wie dass Trommelein bumst, das Bässchen hüpft, das rostige Stimmchen vibriert und die Melodieerzeuger sägen und wabern. Und wir dürfen uns glücklich schätzen, Serge und Astride aus Sturzelbronn (ja, das gibt es wirklich) als Neu-Fans eingefangen zu haben. Elsaß, gut 60 Kilometer weg, extra um uns zu sehen. Mein Gott warum? „Ich bin LKW Fahrer, ich fahr' jeden Tag hunderte Kilometer“ sagt Serge, also alles ganz normal. Paul der Popstar ist an diesem Tag unwohl, Im Kopf und weiter unten, er lässt sich das grade Mal von Serge ins Französische übersetzen und singt dann einen Blues, den noch nie jemand zuvor gehört hat..... „j'ai mal a la tete“ wollen Zeugen gehört haben, vielleicht auch „grande kacke du malheur“? Serge muss dafür sein Wunschlied „Riders On The Storm“ mitsingen. Klappt gut, danke, Zugabe.

Ach ja. Herr Kuni Kunz hatte sich beim letzten Mal „Highway To Hell“ gewünscht, da der Song ja in dieser Kneipe von Bon Scott auf einem Bierfilz komponiert wurde (so hatten wir ihn jedenfalls verstanden), ergo spielen wir es zu vorgerückter Stunde, obwohl niemand von uns außer unserem Heavy Metal Frettchen am Bass den Song je gehört hat.... und Herr Kuni Kunz darf's singen. Bis zum nächsten mal, jetzt unser Machtwort: Mehr Textsicherheit, bitte, Herr Wirt. Aber die Tacos und das Bier waren wie immer erstes Sahnehäubchen...

Äh, und Styropor Ikebana gab es auch: Die Dame, die gewonnen hat, ist im Bild zu sehen. Sie formt ein gar wunderliches Frettchen, den Umrissen der sibirischen Insel Nova Semlija nicht unähnlich. Oder auch einem Nacktmule. Herr Paule erinnert sich nicht mehr an ihren Namen, nennen wir sie einfach Brigitte, die Frettchenkönigin. Mit Intervallschachtelung sieht sie jedenfalls deutlich mehr nach Brigitte aus als etwa nach Geneviève-Heather-Latoya-Hildegard, oder?

Tourtagebuch Sonntag, 25.4., Festhalle Durlach

Nein, wir sind nicht Paule Popstar & The Burning Elephants. Wir sollen heute nur The Burning Elephants sein? Warum? Wir wissen es nicht, doch wir ahnen es: The Burning Elephants gefallen dem Publikum von Uriah Heep sicher besser, ein Herr Popstar ist ihnen vielleicht suspekt, man müsste ihn auch ausführlich einführen, und dazu ist hier keine Zeit. Hier geht es um: Sei laut, schnell und eine schöne Leiche. Wir markieren hier die Männer, die den Brei anrühren, den die Hauptattraktion dann auslöffeln darf. Heute also kein Quatsch, sonden nur Musik, 45 Minuten lang, und Paule Popstar bleibt zuhause. Stattdessen steht Thomas Lochner vorne an der Rampe, der dem Herrn Popstar aber verdammt ähnlich sieht und eine ähnlich mafiöse Rampensau ist. Immerhin hat er sichtbare Gitarren in vier aufblasbaren Farben dabei, damit die Fans in den ersten Reihen ihre Soli nicht auf Luftgitarren spielen müssen.

So, aber von Anfang an: Ankunft in der Halle um 16 Uhr, Auskunft, das der Soundcheck der Heeps später als erwartet sein wird, unserer also auch. Klassischer Fall von: Wird knapp, ist aber zu schaffen (Cordula Stratmann). Ist es auch, dank der hervorragenden Männer der tollen PA-Firma mit dem merkwürdigen Namen Darkselection aus Bad Bergzabern. Eine große Hand für Jason, den Mischerkönig: Eigene Monitoranlage, eigenes Mischpult, eigener Mischersmann für uns aufgeblasen, alles in 27 Minuten spielfertig, Doors Open, und das 900köpfige Publikum rennt und hinkt in die Halle. Sie sehen aus, als könnte der Elefanten Beat sie bezwingen.

Tut er auch: Vom ersten Song an (Gime Some lovin) wissen wir dass wir hier richtig sind. Die Massen rasen. Sind wir Uriah Heep? ? Nein, bei uns singt nur einer. Die Sachverständigen bleiben uns auch gewogen, als wir eigene Melodeien anstimmen. Beim endlosen hippiesken Gitarrensolo in „That's Your Power“ von Grandmaster Dorsch bricht gar spontan auf der Bühne und im Publikum das Jahr 1971ff aus. Den Song, meint hinterher ein Freund der Band, hätten wir doch nur geschrieben, um ihn vor Uriah Heep Fans aufzuführen. Das nun nicht, aber man könnte Gefallen daran finden, es öfter zu tun.

Als Geheimwaffe haben wir Günther, den Bluesharp-König aus Stuttgart bereitgestellt, der den hochverdienten Szenenapplaus einfährt. Und sogar diese doch eigentlich eher poppige (poppende?) pompastische Pallade („Nicht gekommen“ aus der Feder unseres singenden Triebtäters findet den Gefallen des gereiften Herrenpublikums. Infolgedessen ist auch Herr Lochner wieder ganz Herr Popstar, als er nach dem Konzert verwundert feststellt, dass sich wildfremde Menschen mit ihm fotografieren lassen wollen. Nein, mit Bernie Shaw können sie ihn nicht verwechselt haben. Eindeutig.

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