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26 -September -2017 - 01:56

Unser Liebling des Monats: The Big Boss, unser Labelschef Hans Derer – in einer einfühlsamen Charakterstudie 

  

Hans Derer

Ein musikalischer Überzeugungstäter

 

Hans Derer betreibt sieben Labels

 

Ein unscheinbares Haus in der schwäbischen Kleinstadt Winnenden, weit hinter Stuttgart. Erster Stock rechts. Am Türschild steht 7 us media group. Klingelt man, kann es schon sein, dass der Boss persönlich aufmacht. Der heißt Hans Derer und steuert von hier aus mit einem überschaubaren Mitarbeiterstamm sieben (!) Labels mit unterschiedlichen musikalischen Schwerpunkten. Sein kleines Imperium nennt er augenzwinkernd „The Indie label with a major attitude“. Derer weiß, wovon er redet. In den 70er-Jahren war er Mitgründer der schwäbischen Progrock-Legende Anyones Daughter, in den 80er Jahren beförderte er als Pressechef des Intercord Labels Karrieren von Depeche Mode bis Pur. In den 90ern hat er PR gemacht - für ENIGMA bis zur Kelly Family, und den Welthit „Lemon Tree“ hätte es ohne es ohne seinen Musikverlag nicht geben.

„Ich kenne die Vorteile der Majors. Die haben Geld und eine Marktbreite. Mit sechs bis acht Veröffentlichungen pro Monat kann es 7us in es in punkto Diversifizierung damit aufnehmen. Ein herkömmliches Indie-Label schafft  das nicht. Doch nur so wirst du vom Handel wahrgenommen.“ In den sieben Jahren seit dem Firmenstart ist ein Label nach dem anderen dazugekommen: Von Jazz bis Hardrock über Soul bis zu deutschem Schlager – und es  war immer die unmittelbare Begeisterung für die Musik, die ihn dazu trieb. Gotthilf Fischer inspirierte Derer zur Gründung des herz7 Labels, des ersten in der Familie „Das hat schon was von Triebtäterschaft. Du kannst diesen Job nicht machen ohne die Liebe zur Musik. Als die Download-Ära anbrach, wollte ich eigentlich nicht mehr. Aber dann habe ich immer wieder tolle Acts entdeckt und gedacht, die müssen doch Gehör finden im Land!“. Da war etwa der ehemalige Chicago-Drummer Danny Seraphine, der eine neue Band gründete. Der gelernte Trommler Derer fackelte nicht lange, und schon gab es ein neues Label: 7 Jazz. „Dann habe ich Albie Donnelly von Supercharge auf das Label genommen. Der hatte acht Alben und keinen Vertrieb. Dann kam 7 hard, das heute größte Label. „Die Metal Jungs geben ja alles.“ Wenn Derer einmal ins Schwärmen kommt, ist er kaum zu bremsen. Der schickt auch noch ganz altmodisch seine jungen Mitarbeiter zu Konzerten. Vielleicht kommen sie ja mit einer Entdeckung zurück. Manche Künstler bewerben sich auch direkt oder werden von Musikverlagen empfohlen.

Sein Geschäftsmodell setzt auf das Prinzip „steter Tropfen höhlt den Stein“. „Wir liefern eine Plattform im Promotion- und Vertriebsbereich, damit die Musik gehört wird. Ob sie gekauft wird aber, entscheidet aber der Konsument“. Die digitale Vermarktung von Musik werde immer wichtiger, da müsse er auch von seinen jungen Mitarbeitern noch viel lernen. Ob das Radio heute noch den Stellenwert hat wie früher, wisse er auch nicht. Dennoch: „Die großen öffentlich-rechtlichen sind schwer zu knacken. Aber wir haben gute Kontakte zu kleinen Sendern, freien Radios oder Webradios, die unsere Sachen auch spielen“. Wenn dann mal ein Major einen Künstler übernimmt – wie im Fall des von Derer entdeckten Andreas Kümmert (Voice Of Germany), ist das letztlich auch eine Bestätigung, irgendetwas richtig gemacht zu haben. „Wir sind die Trüffelschweine“, schmunzelt Derer.

Den Anstoß zu seinem jüngsten Kind kam Derer  2002, als er für die Stadt Calw zum Herrmann-Hesse-Jubiläum einen musikalischen Wettbewerb veranstaltete: „Da habe ich so gute Sachen bekommen, dass ich schon damals ein  Deutschrock-Label machen wollte“. Inzwischen ist daraus 7 D geworden: stilistisch offen, mit der Schnittmenge deutsche Sprache. Da gibt es NoRMAhl, eine von Deutschlands dienstältesten Punkband, „die bringen im Januar ein sehr textlastiges Album raus, mit Liedern von Reinhard Mey, Kreissler, und eigenen, engagierten Songs. Da sind wir ganz stolz drauf.“ Da gibt es Singer/Songwriter und Rockpoeten wie Frank Wesemann oder Kimkoi.  Jonathan Reichling operiert mit Pop an der Grenze zum Schlager, und auch die Spaß-Fraktion ist vertreten. Wie etwa die Karlsruher Paule Popstar & The Burning Elephants oder Heavens A Beer aus der Eifel,  die nicht nur dialektmäßig in der Nähe der frühen BAP oder Brings angesiedelt sind.

Derer hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Eigentlich, meint er nachdenklich, sei das ja gefährlich. Aber er kann es einfach nicht lassen. „Vor fünf Jahren habe ich die Wichtigkeit von Musik am eigenen Leib gespürt. Als wir in Winnenden den furchtbaren Amoklauf hatten und mich Eltern getöteter Kinder ansprachen, ob wir nicht etwas tun könnten. Wir produzierten eine CD, um Trost zu spenden und Mut zu machen. Ein schwieriges Unterfangen – doch das war für uns alle die beste Therapie. Daß zum anderen 30 000 Euro eingespielt wurde war ein toller Nebeneffekt, der auch heute nachhaltig wirkt – im Gründungskapital  der  „Stiftung „Gegen Gewalt an Schulen“.

Thomas Zimmer

 

 

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